Azart, ein hollándischer Fisch-Logger von 1918
Im Mai 2006, sieht man plötzlich am Horizont vor der Insel eine kuriose Silouette: Ein undefinierbares Etwas bewegt sich auf Formentera zu.
Tatsächlich ist es ein Theaterschiff von ganz hohem Niveau, das originalgetreu dem “ Narrenschiff“ nachgestellt ist. Dieses Buch, erschienen 1494 in Basel, Verfasser Sebastian Brant aus Straßburg. Es wurde aufgrund seiner satirischen , fabelartigen Anklage der damaligen Zeit schnell zum ersten Bestseller Europas.
Albrecht Dürer illustrierte mit Holzschnitten und Stichen die Texte und verhalf somit dem Buch zu grenzenloser Popularität. Und 1994, dem 500.Jubiläumsjahr des “ Narrenschiffes“beschloss ein junger hochintellektueller Doktor der Philologie mit 7 Sprachen fließend, einen Hochsee- Fisch-Logger von 1918 zu kaufen und diesen originalgetreu dem „Ship of fools“ nachzustellen. “ Wir brauchen auch heute noch Narren, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten.“Und so begeisterten die Pilger des Meeres mit ihren Theateraufführungen Tausende von Menschen in ganz Europa: Die Häfen in Holland, in Deutschland Lübeck, Eckernförde, Flensburg, Rostock, danach Oslo, Stockholm, , Helsinki, Sankt Petersburg, Moskau, (Der Kapitän spricht u.a. fließend russisch) wurden zur Bühne der Völkerverständigung. Übrigens schon damals ein “ Open Arm- Schiff“, weil viele verfolgte russische Musiker, Tänzer und Schriftsteller der sowjetische Diktatur entkamen. Die Azart war“ ihre Glúckskarte“ ihr Rettungsanker. (Azart im Kartenspiel eine Karte mit gutem oder schlechtem Ausgang.)
Und im Mai 2006 erschien dieses Schiff mit Kurs auf Formentera. Eine Crew, sichtlich erschöpft, und auch mit Hunger, bat beim Hafenmeister in Formentera um Anlege-Erlaubnis.
Der Kapitän hat immer seine „Spokohren“ auf, selbst bei Bittstellungen und ernsthaften Angelegenheiten. Eben deshalb: „Nehmt jeden, wie er ist, unabhängig vom Aussehen, Hautfarbe oder Glauben.“ Und Formentera, eine Multikulti- Insel mit 23 verschiedenen Nationen hatte “ open Arms “ für dieses Schiff. Man empfing die Besatzung als käme ein alter Freund zurück, es wurde gegessen, gefeiert, und geredet. Man hatte dieser „hässlichen Ente“ weder in Barcelona, noch auf Ibiza einen Anlegeplatz gewährt.. Es war ihnen peinlich, ein so unansehnliches Etwas neben die weißen Luxusjachten zu legen. Ein Journalist schrieb in einer barceloneser Zeitung: Es war, als sei ein als Clochard verkleideter Edelmann mit der goldenen Visacard in ein Nobelrestaurant gegange und man wies ihm seinen Platz zwischen Küche und Toilette zu“. In der äußersten Ecke außerhalb des Hafens, ohne Licht und Wasser durfte das Boot dann eine Nacht in Barcelona bleiben. Da haben die nordischen Länder viel mehr karnevalistischen Sinn. Die Bürgermeister von Eckernförde und Flensburg empfingen das Schiff mit allen Würden und Ehren, mit Gedichten auf mittelhochdeutsch und mit viel Humor. So wie es im Begleitschreiben der Azart vom Amsterdamer Bürgermeister erbeten war.
Barcelona und Ibiza haben damit etwas ganz Außergewöhnliches verpasst. Denn uns bescherte die Theatertruppe während ihres Aufenthaltes hier 10 Tage; Sternstunden voller Farbenfreude, Kreativität und Humor.
Jetzt war das Schiff auf dem Weg gen Osten. Sie wollten den Atlantik überqueren und der alten Dame, die schon ihren hundertsten Geburtstag 2018 gefeiert hatte, ein würdiges Grab dort auf der anderen Seite der Welt geben. Wieder mal das Unmögliche der Narren möglich machen: Auf Rádern sollte es sein Grab in der Wüste von Australien bekommen. Ein Schiff in der Wüste auf Rädern. Das ist das „Narrenschiff.“ An Ideen hat es nie gefehlt.
Und plötzlich kommt die Hiobsbotschaft aus Südamerika Der Kapitän ist schwer erkrankt, musste in Quito/Ecuador notoperiert werden, wenn er nicht in kürzester Zeit gelähmt wäre. Man entfernte einen Tumor von der Wirbelsäule. Er, der Kapitän, der immer eine Lösung für die Anderen fand mit seinen Spok-Ohren ist jetzt auf unsere Hilfe angewiesen. Er muss in sein Heimatland nach Holland geflogen werden zur weiteren Behandlung.. Man hat das Geld nicht. Die OP war zu teuer. Deshalb hänge ich Euch mal den link an. Dort könnt Ihr das Logbuch des Kapitäns sehen, wahnsinnig spannend alles. Fotos für Stunden der Unterhaltung. Man kann ein Buch über die Odyssee dieses einmaligen Projektes kaufen. In Amsterdam hat man im Hafen einen Platz Azart- Square nach diesem außergewöhnlichen Schiff benannt.
Und vielleicht hat jemand auch dieses ewige Kind in sich, begeistert sich fúr diese Inter-kulturelle Idee und möchte mit einer kleinen Spende beitragen, dass der Kapitän nach Hause kommt.. In der website findet Ihr hochinteressantes Material. In allen Sprachen.
www.azart.org www.facebook.com/ Azart-Ship of Fools
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