Ein Schrei des Entsetzens erschüttert Formentera

Ein Aufschrei der Bevölkerung Formenteras erschüttert seit heute die Insel. Der Montag war ein Freuden-Taumel. Und wie es der Chefredakteur des Diario de Ibiza für Formentera, Carmelo Convalia formulierte „ein bisschen wie ein Geschenk vom Weihnachtsmann“, weil wir doch die Ersten waren in Stufe 1. Wir waren frei, konnten uns bewegen bis zu Gruppen von 10 Personen. Essen mit der Familie und offenbar auch feiern mit den Freunden. Und wie man feierte, nach so langer Zeit des Eingesperrt seins, klar! Alles erlaubt. Keiner kontrolliert, wie die Distanzen sind, wie viel man trinkt, sich betrinkt, aus welchem Glas man trinkt, ob man Masken trägt… alles erlaubt. Wir sind in der Stufe 1 und das dürfen wir.

Der Spaß war kurz. Denn bereits am nächsten Tag plötzlich hieß es: wir dürfen am Strand spazieren gehen, Sport treiben aber uns auf keinen Fall ausziehen, um uns zu sonnen. Und unter gar keinen Umständen ins Wasser gehen. Diesen Schrei der Enttäuschung der Bevölkerung hörte man auf der ganzen Insel. Was soll das? 10 Leute dürfen machen, was sie wollen. Man darf Sport treiben am Strand. Aber ins Wasser gehen nicht? Hier auf Formentera, an diesen Endlos-Stränden wo jeder mindestens 100 m2 Sand-Fläche für sich hätte. Wo Familien mehr Platz mit den Kindern hätten als in ihrer eigenen Wohnung. Wo man fast einen Feldstecher braucht, um den nächsten ausmachen zu können.

Und da dürfen wir uns nicht hinlegen mit unserem Handtuch? Zumal viele Insulaner vor August sowieso nicht daran denken, ins Meer zu gehen, weil es noch „viel zu kalt ist“. also die paar, welche wirklich diese einmalige Chance nach 7 Wochen ausnutzen wollen, sind die Menschen, welche das Wasser als Quelle der Gesundheit suchen. Die Insulaner sagen “ die Guiris (Ausländer) sind es, die schwimmen gehen“.

Aber es sind alle, die endlich mal wieder etwas mehr Bewegung brauchen. Sowohl „Guiris“ als auch junge moderne Insulaner. Wir dürfen nicht schwimmen gehen?
„Wo ist die Logik?“, fragt man sich. Es gibt keine Logik in dieser Bürokratie. Von Madrid wird beschlossen und nicht individuell gehandelt. Keiner geht ins Wasser und Schluss. Erst in der 3. Phase. Noch fast vier Wochen ohne zu baden im Meer? Alles wurde von Stunde zu Stunde unklarer und verwirrter. Aber aus Erfahrung wissen wir, wenn die Guardia Civil auch nicht weiß, was nun wirklich erlaubt oder verboten ist, wird erstmal verboten und bestraft.

„Aber die Búrgermeisterin Alexandra Ferrer hat es doch einen Tag vorher erlaubt?“, fragten sich viele. Einige glauben sogar, dass diese neue Verordnung von Mallorca, der Balearenregierung kam. „Aus Eifersucht, weil sie noch in Stufe Null sind und weil sich die Präsidentin des Consells Sandra Ferrer mit der Bevölkerung solidarisiert hat“, waren die Spekulationen („was nicht ausdrücklich verboten ist laut Dekret, ist erlaubt“, sagte sie. Also auch der Strand mit allen Aktivitäten).

Im Kiosk 62, noch geschlossen für das Publikum, wurde sofort darüber diskutiert, öffentlich zu demonstrieren und zu protestieren. Aber da gab es Gegenstimmen von den Vorsichtigen: „Nein. Das Virus ist noch da. Es gäbe noch täglich in ganz Spanien über 250 Tote. Man müsse hören, was die Sanitäts-Experten sagen. Wir wollten doch nicht zurückfallen auf Stufe Null“

Und am Schluss schien man das Ei des Columbus gefunden zu haben. Radio Illa fragt öffentlich unseren Super-crack, den Rechtsanwalt und Notar Javier Gonzales Granado. Der Guru der Insel. Er sagt: „geht zur Messe“. Was heißt, was er sagt ist richtig und dazu steht er.

Denn er sagt nie etwas, das er nicht doppelt und dreifach geprüft hätte. Und Javier sagt, es steht absolut gar nichts in den neuen Verordnungen der Stufe 1, dass das Baden im Meer verbieten könne. Wow, er stellt sich auf die Seite der Bevölkerung! Aber da weder die Verantwortlichen im Rathaus noch die Guardia Civil wirklich wissen, wie der Hase läuft, solle man unbedingt in Madrid Klarheit verlangen.

Und so hoffen wir, dass uns bis zur Klärung der Situation keiner erwischt, weil wir sowieso vorgestern, gestern und heute dieses Delicious Baden im Meer voll genossen haben. So, wie man sich eine Trüffel-Praline genüsslich auf der Zunge zergehen lässt. Wir kennen unsere Geheim-Stellen und die Polizei ist ohnehin in der Minderheit. So war es schon immer. Die Uhren gehen anders hier und immer kam es zu einem salomonischen Urteil. Es scheint, dass Formentera seine eigenen Gesetze hat. Und die Rechnung ging bisher (fast) immer auf.

Ich halte mich raus aus dem Ganzen. Genieße wieder die menschenleeren Strände. Heute ist mir mehr danach, Schoppi einen Besuch abzustatten. Ein stilles Gedenken an einen Mann, Individualist und Weise auf seine Art. Ich besuche ihn zwei Monate zu spät durch die spezielle Situation, denn sein Todestag war am 08.03. (2007). Es ist zwar später, aber gerade jetzt, in dieser Stille an der Küste scheint sein Spiritus noch intensiver hier zu sein. Jetzt ist die Insel wieder, wie er sie kennen lernte, als er ankam hier… Big brother is watching you.

In Gedenken an Schoppi 08.03.2007
Teilen:
Skip to content